Genaue Mengenangaben sind wichtig – warum Rezepte oft kniffliger sind, als man denkt

  • Neulich habe ich eine Live-Show im Fernsehen gesehen, bei der spontan jemand nach dem Rezept für eine einfache Buttercreme gefragt wurde. Die Antwort: „500 g Butter und eine Dose gezuckerte Kondensmilch“ („Milchmädchen-Buttercreme"). Klingt erstmal herrlich unkompliziert, oder? Ich war sofort dabei – bis ich bei dem Wort „Dose“ gestutzt habe. Denn was bedeutet das eigentlich ganz genau?


    Warum „Dose“ oder „Becher“ keine guten Mengenangaben sind


    Das Problem mit solchen Angaben: Sie sind alles andere als eindeutig. Eine Dose kann z.B. 370g (Sgushenka Dovgan), 397g (Dovgan + Longevity) oder auch 400g (Nestlé) enthalten – je nach Hersteller und Land. Und gerade bei Backrezepten machen ein paar Milliliter oder Gramm schon einen großen Unterschied. Die Verbraucherzentrale weist übrigens regelmäßig darauf hin, dass Hersteller ihre Verpackungsgrößen ändern, ohne dass man es auf den ersten Blick merkt. Das Design bleibt gleich, aber drin ist plötzlich weniger. Und wenn man dann blind nach „einem Becher“ oder „einer Dose“ backt, kann das Ergebnis ziemlich daneben gehen.


    Mein Erlebnis mit Skyr-Käsekuchen


    Ein Beispiel aus meiner Küche: Mein Lieblingsrezept für Käsekuchen verlangt 500 g Skyr. Perfekt, dachte ich – ein Becher hat ja genau diese Menge.

    Denkste! Die großen Becher von namhaften Herstellern enthalten mittlerweile nur noch 450 g. Einige Eigenmarken im Discounter haben tatsächlich 500 g. Wenn man das nicht weiß, fehlt plötzlich Flüssigkeit im Teig – und der Kuchen wird nicht so, wie er soll.


    Backen mit amerikanischen Rezepten – das Tomatensuppen-Desaster


    Noch kniffliger wird es mit Rezepten aus dem Ausland. Vielleicht erinnerst du dich – ich habe in meinem MyCakeStorie "Alle Bücher sind schöner mit Kuchen" schon mal von 'Mysterie-Cookies' erzählt, die mit einer sehr ungewöhnlichen Zutat gebacken werden: Tomatensuppe!

    Irgendwann habe ich mich getraut und das Rezept ausprobiert. Geschmacklich waren die Kekse gar nicht so schlecht – vielleicht etwas zu süß – aber sie sind mir total zerflossen und platt geworden. Denn im Rezept stand als Mengenangabe nur „eine Dose“…


    Die Erklärung dafür war im Nachhinein ganz simpel:

    • In den USA hat die Standarddose Campbell’s Tomatensuppe 284 ml.
    • Meine deutsche Dose, die ich kaufte, hatte dagegen 400 ml.

    Klar, dass der Teig viel zu flüssig war. Ein Unterschied von über 100 ml kann beim Backen schon das komplette Ergebnis verändern.



    Mein Fazit: Gramm statt Dose!


    Seit diesen Erfahrungen gilt für mich: Wenn im Rezept „Dose“, „Becher“ oder „Tasse“ angegeben sind, übersetze ich konsequent in Gramm oder Milliliter. Das heißt ich schreibe mir eine konkrete Menge dahinter. So dass, selbst wenn ich das Rezept in späteren Jahren nutze, ich immer genau weiß, wie viel von der Zutat in den Teig hinein muss. Es mag manchmal lästig sein, Eier in Gramm abzuwiegen oder Flüssigkeiten umzurechnen – aber dafür erspart man sich am Ende den Frust, wenn die Buttercreme zu weich oder die Cookies zu platt werden. Denn am Ende macht Backen doch am meisten Spaß, wenn das Ergebnis genauso wird, wie man es sich vorgestellt hat. ;)



    Tipp:

    --> Gastbeitrag von Claudia vom Blog 'Ofenkieker' - "Mengenplanung für Motivtorten"

    --> Liste mit Abkürzungen von Maßen & Gewichten

    --> Liste mit Umrechnungshilfen für ausländische Maßangaben